No. 04_80er Jahre_Stanley Clarke Live_Erlangen_Fan

 

Als Jugendlicher hatte ich nur einen Berufswunsch, ich wollte

 

Gitarrenbauer

 

werden!

Das hatte auch damit zu tun, dass Bubenreuth nicht weit von Nürnberg entfernt ist und damals ein aktives Zentrum des Deutschen Saiten-Instrument-Baus war. Nach meiner Konfirmation hatte ich mir im Fabrikverkauf von Höfner meine allererste E-Gitarre gekauft. Eine sehr "phantasievolle" Les Paul Kopie, deren Single Coil Pickups so sehr brummten, dass das eine eigene Geschichte wert wäre....

 

Aber zurück zu meinem Traumberuf und damit auch zu

 

Stanley Clarke.

 

Über sehr aufdringliches Klinkenputzen konnte ich Mitte der Achtziger Jahre einen guten Draht zu HOYER aufbauen. Ich musste selbst gerade googeln und fand raus, dass sie 1987 die Fertigung eingestellt haben. Da war ich 19 Jahre alt und kurz vor meinem Abitur. Ich hatte die Jungs damals soweit, dass ich nach dem Abi als erster Azubi nach vielen Jahren dort ausgebildet werden sollte. Und so hing ich damals da schon viel rum und landete eines Tages in den Vorbereitungen eines einzigartigen Termins.

 

HOYER hatte mit dem T-Stax einen ganz eigenen E-Bass entwickelt, der sehr hochwertig und an den amerikanischen Edelbässen á la Alembic angelegt war. Zu der Zeit war Stanley Clarke auf Welt Tour und hatte auch einen Gig im E-Werk in Erlangen, also direkt um die Ecke. HOYER vereinbarte einen Termin, um Stanley den T-Stax vorzustellen und über mögliche Kooperationen zu sprechen. Die Tage davor, war ich in der Werkstatt und begleitete das Finish der Bässe - an Tage in der Schule kann ich mich lustiger-weise gerade gar nicht mehr erinnern.  Am Tag des Gigs waren wir zum Soundcheck im E-Werk und Stanley spielte begeistert alle mitgebrachten Varianten durch. Danach gab es eine sehr angeregte Gesprächsrunde in der Garderobe. 

 

Die Tür ging auf, ein Crew Mitglied kam rein und stellte ein

 

Flightcase

 

auf den Couchtisch. Das Case war kubisch, etwa 30cm Kantenlänge und hatte schon einige Trucks von innen gesehen. Der Kollege öffnete den Deckel, holte einen Basketball raus und passte ihn hart zu Stanley mit den Worten: "C'mon Stanley it's time to play!". Unser Termin wurde sehr unmittelbar, aber nett beendet und die gesamte Crew machte sich auf den Weg. Der Deal damals mit den örtlichen Konzertveranstaltern der Tour war, dass zwischen Soundcheck und Abendessen immer eine Baskettballhalle zur Verfügung gestellt wurde. 

 

 

Stanley's Konzert abends war - wie all die anderen, die ich über die Jahre genießen durfte funtastisch, er schafft es einfach wie kein anderer Virtuosität mit einer geilen Show zu verbinden.

 

Ergebnis 01_es ist lebenswichtig, sich um das Wohl der Crew zu kümmern. Sex & Drugs & R'n'R funktionieren gut in Hollywood Filmen, aber nicht im echten Leben.

 

Ergebnis 02_damals gab es ein Interview im "Fachblatt" (heute "Gitarre & Bass") in dem Stanley massiv von den T-Stax Modellen schwärmte.

 

Ergebnis 03_HOYER wurde 1987 komplett zerschlagen und besteht seit dem nur noch als Markenname. Somit war auch mein "Ausbildungsbetrieb" futsch. Meinen Weg bin ich dennoch gegangen.

 

Fazit?

 

Alles im Leben ist wichtig und wertvoll. Ich war damals zuerst sehr frustriert ob der verpassten Chance und bin heute umso dankbarer diese sehr intensiven Tage erlebt zu haben. So gerne würde ich dieses Case noch mal irgendwo sehen.

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